
Wenn Bärenkinder in Idaho Black Bear Rehab (IBBR) ankommen, sind sie oftmals schwach – der Körper nicht selten voller Wunden – und sie sind halb verhungert. Was sie brauchen, ist eine ärztlich-medizinische Primärversorgung, gefolgt von einer monatelangen fürsorglichen Zuwendung.
Nach Aussage von Sally Maughan - der Leiterin von IBBR - sind die körperlichen Verletzungen schwerwiegend; was jedoch am meisten beunruhigt, ist ihrer Meinung nach das mentale Trauma der Tiere. “Du kannst den Schrecken in ihren Augen sehen”, so Sally. “Es ist, als wüssten sie genau, dass ihre Welt für sie schlagartig eine andere geworden ist.”
Ein solcher Fall war Wasaka – ein Bärenjunges im Staate Washington, dessen Mutter von einem Auto überfahren worden war. Wasaka – (was in der Sprache der amerikanischen Ureinwohner soviel wie “stark” bedeutet) – befand sich offenbar auf Futtersuche, als ein Paar das Junge hinter seinem Haus herumschleichend entdeckte. Es sah so aus, als hätte sich etwas in seinem Hals verfangen; deshalb entschloss sich unser Paar, für ihren Besucher ein wenig Obst und Gemüse zu pürieren und an den Findling zu verfüttern. Wenngleich auch im allgemeinen davon abgeraten wird, Bären zu füttern, so könnte doch gerade diese eine Mahlzeit für Wasaka lebensrettend gewesen sein – waren es doch schon ganze zwei Wochen, die er verlassen umherirrte.
Nachdem Wildhüter Wasaka eingefangen hatten, untersuchte ihn ein Tierarzt auf seinen Gesundheitszustand, wobei er feststellte, dass sich im Rachen des Tieres doch kein Fremdobjekt befand. Das Transport-Team von IBBR - Larry und Terri Limberg – fuhr anschließend über 400 Meilen (ca. 640 km), um Wasaka von Washington nach Idaho zu bringen. Im IBBR angekommen, machte Wasaka einen couragierten Satz in die bereitstehende Gehegebox (bei den meisten Tierjungen dauert es ziemlich lange, bis sie sich aus dem Transporter wagen). Nach Sallys Beschreibung ist Wasaka ein hübsches, zutrauliches Bärenkind. Sein Fell ist von auffallend heller Farbe – hier und da mit ein paar besonders hellen Tupfern durchsetzt – ein echtes Blondchen.
In den kommenden Monaten wird Wasaka Fertigkeiten entwickeln, wie er sie in der freien Wildbahn entwickelt haben würde, d.h., er wird lernen, seine Nahrung selbst zu suchen und für seine Sicherheit selbst aufzukommen. Höchstwahrscheinlich wird man ihn im nächsten Frühjahr in die Freiheit entlassen, wenn er groß genug ist, um sich dem Leben in der Wildnis zu stellen.
Näheres zu den Rehabilitationsverfahren von IBBR, wie sie von WSPA-Mitgliedsorganisationen weltweit angewandt werden, lesen Sie unter: http://www.bearrehab.org/