
Als Lone das erste Mal Peanut sah, war sie so klein, dass es Lone nicht sehr schwer fiel, für sie einen Namen zu finden. "Wie Sie sehen, ist sie nicht größer als eine Erdnuss (Peanut)“, sagte Lone dem BBC Fernsehteam, als diese die zweite Folge der Serie Orangutan Diary ( das Orang-Utan-Tagebuch) drehten.
„Plantagenarbeiter fanden sie in einer Palmölplantage. Sie war überall mit Blut beschmiert, von ihrer Mutter fehlte jede Spur. Ich denke, dass ihre Mutter tot ist. An diesem späten Nachmittag waren die Männer sehr besorgt, weil sie dachten, Peanut hätte einige Verletzungen.“
Die Umstände, unter denen Pickle gefunden wurde, waren ähnlich. Lone wurde hier ebenso von einer Gruppe von Plantagenarbeitern alarmiert. Auch Pickle war allein, ohne ein Zeichen seiner Mutter, und wir können davon ausgehen, dass auch sie getötet wurde. Wie ihre Mutter starb, wird wohl nie ans Licht kommen. Es ist aber bekannt, dass oftmals jene Jäger, die für die Schädlingsbekämpfung in den Palmölplantagen engagiert werden, für den Tod von Orang-Utans verantwortlich sind. Entweder versehentlich oder bisweilen mit Absicht. Denn viele Männer machen gezielt Jagd auf die Orang-Utans, die auf der Suche nach Nahrung die Palmen auf den Plantagen zerstören können.
Als Lone die beiden Babys rettete, hatte keines der beiden Zähne gehabt. Wahrscheinlich waren sie zu dem Zeitpunkt weniger als drei Monate alt. Trotz ihres tragischen Starts ins Leben sind die beiden zu jung, um sich an den Verlust ihrer Mütter zu erinnern. Jetzt, wo sie in Nyaru Menteng sind, wachsen sie behutsam in einer kleinen Gruppe auf und gewinnen langsam Vertrauen in ihre sichere Umgebung. Hier erhalten sie die Liebe und Aufmerksamkeit, die ihnen ihre eigenen Mütter gegeben hätten – und dies wird die nächsten fünf oder sechs Jahre ihres Lebens so bleiben.
In diesem jungen Alter sind ihre Bedürfnisse recht einfach. Sie klammern sich an ihre Babysitter, wie sie es mit ihren eigenen Müttern getan hätten. Und es gibt eine Auswahl an Spielsachen, falls sie Lust haben, auf Entdeckungsreise zu gehen. Peanut mag diese Spielsachen, aber Pickle, der Junge, ist bedürftiger und bevorzugt die Nähe zu seinem Babysitter. Die männlichen Babys scheinen sich anfänglich weniger schnell zu entwickeln als die Mädchen, die am Anfang bei der Entwicklung einen kleinen Vorsprung haben.

“Die wichtigste Sache ist die Liebe und Aufmerksamkeit," sagt Lone. „Viel körperliche Nähe und sie zum Lachen zu bringen, das ist besonders wichtig. Wir haben hier eine kleine Faustregel: Mindestens eine halbe Stunde pro Tag müssen wir sie zum Lachen bringen."
Ohne ihre Mütter sind die Orang-Utan-Babys sehr von einem Leben in einer Familiengemeinschaft und einer sicheren Umgebung abhängig. Und dies bietet ihnen Nyaru Menteng. Hier finden die jungen Orang-Utan-Babys Vertrauen und können sich zu gesunden, glücklichen Jungtieren entwickeln, die eines Tages in die freie Wildbahn entlassen werden können.