Ein Vergleich zwischen freilebenden und gefangenen Delfinen

 

Bewegungsfreiheit

 

delfin_gesicht_219In der Natur: Delfine haben volle Bewegungsfreiheit. Ihre Körper sind für hohe Geschwindigkeiten geschaffen und die lebenslustigen Geschöpfe nutzen diese Tatsache.
Faul herumzutreiben ist nicht ihre Sache, vielmehr schwimmen Delfine bis zu 60 km pro Tag. Und weil es zahllose Tiere zu jagen und die riesige Welt der Ozeane zu erforschen gilt, verbringen Delfine so viel Zeit wie möglich unter Wasser und nur 10-20% des Tages an der Oberfläche. Sie können die Luft bis zu 20 min lang anhalten und tauchen in Tiefen von mehr als 500 m.

In Gefangenschaft: Delfine sind auf die Größe ihres Beckens oder Bereiches beschränkt. (Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr gesamtes Leben in einer Zelle von der Größe einer Abstellkammer verbringen.) Gefangene Delfine schwimmen immer und immer wieder kleine Kreise oder liegen einfach bewegungslos an der Wasseroberfläche.

 

Soziale Bindungen

 

In der Natur: Die meisten Delfine leben in Gesellschaft anderer Delfine in einer hochorganisierten, eng verbundenen Gemeinschaft. Wie auch wir Menschen, sehnen sich diese intelligenten und sozialen Lebewesen nach Sicherheit, Liebe und Gesellschaft, die sie nur in ihrer Herde finden. Die sozialen Bindungen halten viele Jahre, vor allem zwischen Müttern und ihren Jungen, die oft bis zu 5 Jahre zusammen bleiben. Sogar Delfin-Tanten springen als Babysitter für beschäftigte Mütter ein.

In Gefangenschaft: Delfine werden für immer von ihren Herden getrennt und die starken sozialen Bindungen, die für Jahre genossen und gepflegt wurden, werden abrupt zerstört. Die Gefangennahme ist ein sehr gewaltsamer Einschnitt, nicht nur für das gefangen genommene Tier, sondern auch für die Herde, die den plötzlichen und dauerhaften Verlust eines Familienmitglieds erlebt.
Genauso bitter sind die Erfahrungen von gezüchteten Delfinen. Diese Tiere haben niemals die Chance, das Vergnügen im weiten Meer zu erleben oder zu einer Familie zu gehören. Die enge Bindung, die sie zu ihrer Mutter entwickeln könnten, wird früh unterbrochen. Sie werden in Einzel-Gehegen gesperrt und später an Freizeitparks oder Aquarien verkauft. Sie sind zur Isolierung verurteilt.

 

delfin_springend_219Wasserqualität
 

In der Natur: Delfine leben in natürlichem Meerwasser.

In Gefangenschaft: Die meisten Delfine müssen in engen Becken leben, die mit Chemikalien behandeltes künstliches Meerwasser enthalten. Das behandelte Wasser zerstört ihre empfindliche Haut und ihre Augen. Auch wenn sie in einem abgegrenzten Bereich im Meer gehalten werden, leben sie nicht viel besser. Diese Bereiche befinden sich normalerweise in abgelegenen Gebieten wie Lagunen, in denen das Wasser nicht in der Art und Weise zirkuliert wie im offenen Ozean. Delfine produzieren 4-5 mal mehr Ausscheidungen als ein durchschnittlicher Mensch. Das Resultat? Sie sind gezwungen, in ihrer eigenen Toilette herumzuschwimmen.

 

Echolot

 

In der Natur: Delfine haben die Möglichkeit, ihr beeindruckendes Echolot-System einzusetzen. Sie benutzen es zum Kennenlernen ihrer Welt. Von der Erforschung der komplizierten Korallenriffe und deren versteckten Bewohnern bis zum Sammeln von Informationen über Fische und andere Delfine und mögliche Feinde, die im Schatten lauern. Durch ihr Echolot erfahren sie alles, was sie wissen müssen und ist für Delfine so wichtig wie das Augenlicht für Menschen.

In Gefangenschaft: Delfine können ihr Echolot nur eingeschränkt verwenden. Für die Jagd lebender Fische kann es nicht eingesetzt werden, da sie nur Zugriff auf von den Trainern als Belohnung verteilten toten Fisch haben. Auch für die Erforschung ihrer Unterwasserwelt kann es nicht zum vollen Einsatz kommen, da es in einem kahlen, betonierten Becken nichts zu erforschen gibt.

 

Nahrung

 

In der Natur: Delfine verbringen viele Stunden mit gemeinsamem Jagen und Fangen von Fischen. Sie sind Experten für das Aufstöbern von Nahrung. Dies ist nicht nur eine notwendige Aktivität der Tiere; es bereitet ihnen auch Freude. Sie sind Delfine, die sich wie Delfine verhalten können. Bei der Jagd lebender Beute entfalten sich all ihre natürlichen Gaben: ihre Geschwindigkeit, ihre Intelligenz, ihr Echolot-System und ihre Fähigkeit zu kommunizieren und zu kooperieren.

In Gefangenschaft: Als erstes lernen gefangene Delfine, dass es ihnen nicht mehr erlaubt ist, ein echter Delfin zu sein. Sie müssen ihre natürlichen Verhaltensweisen und ihre Ausgelassenheit einschränken. Sie haben sich den neuen Gegebenheiten zu beugen und müssen lernen, toten Fisch zu essen (was in Freiheit niemals in Frage kommen würde) und die Handfütterung akzeptieren. Die natürliche Erregung bei der Jagd von eigener Nahrung ist dem Delfin für immer genommen.

 

Verhalten

 

In der Natur: Mama weiß es am besten. Die Mutter bringt einem jungen Delfin alles bei, was er für sein Leben im Ozean braucht: Den Einsatz des Echolots, Feinde zu meiden, wo nach Nahrung zu suchen ist, wie Fisch gejagt und gefangen wird. Durch Beobachtung und Nachahmung des Verhaltens der anderen Delfine in der Herde lernt der junge Delfin zu tauchen, zu springen, die Wellen zu brechen und zu reiten und zu kommunizieren.

In Gefangenschaft: Delfine sind komplett von ihren Trainern abhängig, wenn sie Nahrung erhalten wollen. Damit hat der Trainer ein mächtiges Werkzeug zur Kontrolle über den Delfin und kann ihn verleiten, vor applaudierenden Zuschauern Kunststücke vorzuführen. Der Trainer macht dem hungrigen Delfin klar, dass er für seine Nahrung durch Reifen zu springen hat. Bewegen sich Delfine natürlicherweise auf ihren Schwänzen fort, winken sie Zuschauern und nehmen Leute als Passagiere auf ihrem Rücken mit? Nein. Und dieses Training hat einen zerstörerischen Effekt auf die Delfine, da die unnatürlichen Verhaltensweisen letztendlich die natürlichen verdrängen.

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