2008: Ein unsicheres Jahr für Wale

Ein japanischer Walfänger.

Kurz vor ihrer 60. jährlichen Konferenz war die Stimmung bei der Internationalen Walfangkommission (IWC) ziemlich gereizt. Der Vorstand der IWC hoffte, dass man in diesem Jahr irgendwie aus den verfahrenen Gesprächen über Fangquoten hinausfinden und zu einer Übereinkunft finden würde. Man hoffte, dass das IWC sich in Zukunft mehr auf den Schutz der Wale konzentrieren würde. 

Die Ziele lagen gar nicht so weit auseinander: Die WSPA bemühte sich darum, die Kommission der IWC dazu zu bringen, sich mehr um den Schutz der Wale zu kümmern und nicht so sehr auf die Fangquoten zu schielen. Also brachte sie zur Konferenz in Chile Kopien des WSPA-Unterwasserfilms mit und veranstaltete eine Ausstellung mit lebensgroßen Walfotos.

Die Bemühungen der WSPA waren erfolgreich, und dies, auf einer Konferenz, die, was den Schutz der Wale anging, ziemlich gemischte Ergebnisse brachte.

 

Zeit für Veränderungen: Eine neue Vision

Die WSPA hat sich mit 30 anderen Nichtregierungsorganisationen zusammengetan, um der Kommission eine alternative Vision für die IWC anzubieten – eine Organisation für den Schutz der Meeressäuger zu werden.

Es ist höchste Zeit für Veränderungen, und die IWC weiß, dass sie sich anpassen muss, wenn sie überleben will. Die Gespräche wurden durch die traurige Tatsache überschattet, dass seit dem Verbot des kommerziellen Walfangs im Jahre 1986 mehr Wale gejagt und getötet wurden als jemals zuvor.

Die Bemühungen der WSPA, das IWC zu einer neuen Politik zum Schutz der Wale zu drängen, werden von der breiten Öffentlichkeit unterstützt. Als Teil der Kampagne „Zeit für eine Neuausrichtung“ (Time to Refocus) hat die WSPA der Kommission 34.000 Unterschriften aus 66 Ländern präsentiert. Die WSPA war sehr erfreut über die Reaktion vieler Mitglieder der Kommission auf einen beigefügten Bericht (PDF-Datei, englisch).

 

Gute Nachrichten für die Wale

Ein isländisches Schiff zur Walbeobachtung.

Ein enttäuschendes Beharren auf der bisherigen Politik durch die Walfangnationen, die die konkreten Vorschläge der Länder, die den Walfang ablehnen, ignorierten, ließ die Initiativen der IWC für eine Einigung kläglich scheitern.

Jedoch konnten während der Konferenz einige wichtige Durchbrüche für den Schutz der Wale erreicht werden:

  • Kommission stimmt gegen die Jagd auf Buckelwale

Durch einen von der WSPA heimlich aufgenommenen Film und einen entsprechenden Bericht wurde nachgewiesen, dass Grönland kommerziellen Handel mit Fleisch von Walen betreibt, die ausschließlich zur Jagd für die Deckung des Eigenbedarfs von Einheimischen freigegeben wurden. Dies versorgte die Kommission mit genügend Informationen, um bei der einzigen Abstimmung des Jahres den Antrag Grönlands auf die Tötung von zehn Buckelwalen „für den Eigenbedarf“ abzulehnen.

Die EU stimmte zum ersten Mal geschlossen gegen einen Antrag. Die Niederlande kehrten auf Druck von WSPA Netherlands und anderer Organisationen zu ihrem Anti-Waljagd-Kurs zurück. Auch die lateinamerikanischen Länder stimmten gegen den Antrag und demonstrierten somit ihre Solidarität gegen die Jagd auf Wale, außer für Zwecke des Eigenbedarfs.

  • Das Interesse an einer humanen und nachhaltigen Nutzung der Meeresfauna wächst

Ein von der WSPA geförderter Bericht über „Whale Watching”, das Beobachten von Walen durch Touristen, war Gegenstand einer Pressekonferenz. Es stellte sich heraus,  dass dieses walfreundliche Gewerbe seit 1994 um 76 Prozent zugenommen hatte, und allein 2007 damit Einkünfte von fünf Millionen US-Dollar erzielt wurden. Der Minister für Umwelt, Energie und Telekommunikation des Landes, Robert Dobles, kündigte an, dass die Regierung Costa Ricas die feste Absicht hat, beim Schutz der Wale in dieser Region die Initiative zu ergreifen.

Eine Umfrage, die von der WSPA in Neuseeland – einem der populärsten Ziele für Waltouristen aus aller Welt –  durchgeführt  wurde, ergab, dass 94 Prozent der Menschen jetzt gegen den Walfang sind, viele von ihnen aus rein wirtschaftlichen Gründen. Diese Nachricht wurde von der Regierung Neuseelands sehr positiv aufgenommen, und die Statistik bei einer Reihe von Bekanntmachungen und Interviews zitiert.

  • Das Wohl der Tiere gewinnt an Bedeutung

Wieder einmal wurden die Gespräche über den Schutz der Tiere dadurch behindert, dass die Walfangnationen es versäumten, genaue Abschusszahlen vorzulegen. Sie behaupteten, dass die Veröffentlichung früher vorgelegter Informationen durch Nichtregierungsorganisationen, bei denen auch das extreme und lange Leiden der gejagten Tiere demonstriert wurde, einen „Missbrauch“ dieser Informationen darstelle. Trotzdem setzten sich viele Länder dafür ein, über den Schutz der Tiere zu reden. Costa Rica, Argentinien und Großbritannien bezeichneten dieses Thema als das wichtigste.

Großbritannien und Costa Rica begrüßten auch einen Bericht der WSPA und der Whale and Dolphin Conservation Society über die Verfehlungen der Walfangindustrie in Bezug auf die internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Wale. Es ist zu hoffen, dass dies eine konkrete Grundlage für ernsthafte Gespräche zwischen der World Organisation for Animal Health (OIE) und der IWC in Bezug auf den Schutz der Wale während der 61. Konferenz des IWC im Jahre 2009 darstellt.

  • Stärkere Beteiligung nichtstaatlicher Organisationen

Die WSPA war eine von mehreren nichtstaatlichen Organisationen, die sich dazu verpflichteten, gemeinsam mit lateinamerikanischen Nationen zusammenzuarbeiten, um den Walfang „zu wissenschaftlichen Zwecken“ zu unterbinden. Die für Meeressäuger zuständige Programmleiterin Claire Bass wurde eingeladen, sich der britischen Delegation anzuschließen, um Rat und Unterstützung für den Schutz der Wale zu leisten.

Die WSPA hat sich besonders darüber gefreut, dass sie in Chile von der Mitgliedsorganisation Dyrebeskyttelsen Norge unterstützt wird, die sich in Norwegen gegen den Walfang engagiert. Ihre Teilnahme zeigte der norwegischen Delegation, dass der Walfang des Landes sowohl von nationaler als auch von internationaler Seite sehr genau beobachtet wird.

 

Maßnahmen auf der Grundlage mäßiger Ergebnisse

Die WSPA freute sich sehr über die von ihren Mitarbeitern und Förderern erzielten Erfolge. Dennoch bleibt es leider bei die Tatsache, dass die Jagd weitergeht und das Leben dieser herrlichen Tiere immer noch bedroht ist.

Die WSPA wird an der nächsten Jahresversammlung der IWC in Portugal teilnehmen, um dafür zu sorgen, dass das Verbot des kommerziellen Walfangs beibehalten und noch strenger durchgesetzt wird. Es bleibt abzuwarten, ob ein Jahr des Nachdenkens und der informellen Gespräche zwischen den Mitgliedern der Kommission 2009 zu einer weniger polarisierten und vom Quotendenken bestimmten IWC führen wird.

 

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